Deutsches Rotes Kreuz Ortsverein Rohrbach

                                                                                   Aus Liebe zum Menschen

Friedensnobelpreis

Im Jahr 1901 erhielt Dunant für die Gründung des Roten Kreuzes und die Initiierung der Genfer Konvention den erstmals verliehenen Friedensnobelpreis. Mit folgendem Telegramm, das ihn am 10. Dezember dieses Jahres erreichte, teilte ihm das Nobelkomitee in Oslo die Entscheidung mit:

„An Henry Dunant, Heiden. Das Nobelkomitee des norwegischen Parlaments hat die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass es den Friedensnobelpreis 1901 je zur Hälfte an Sie, Henry Dunant, und an Frédéric Passy verliehen hat. Das Komitee sendet seine Ehrerbietung und seine aufrichtigen Wünsche.“

Als Fürsprecher Dunants beim Nobelkomitee wirkte dabei der norwegische Militärarzt Hans Daae, dem Rudolf Müller ein Exemplar seines Buches zugeschickt hatte. Gemeinsam mit Dunant wurde der französische Pazifist Frédéric Passy mit dem Preis ausgezeichnet, der Gründer der ersten Friedensliga in Paris 1867 und mit Dunant gemeinsam in der Allianz für Ordnung und Zivilisation tätig. Die Glückwünsche, die ihm anlässlich der Preisverleihung vom Internationalen Komitee offiziell übermittelt wurden, bedeuteten nach 34 Jahren die späte Rehabilitierung und waren für ihn als Anerkennung seiner Verdienste für die Entstehung des Roten Kreuzes wichtiger als alle anderen Auszeichnungen, Preise, Ehrungen und Sympathiebekundungen. Für die Rotkreuz-Bewegung bedeutete der Preis eine wichtige Anerkennung ihrer Arbeit und der Bedeutung der Genfer Konvention in einer Atmosphäre stetig steigender Kriegsgefahr durch eine Verschärfung internationaler Spannungen sowie eine zunehmende militärische Aufrüstung.

Sowohl Moynier als auch das Internationale Komitee waren ebenfalls für den Preis nominiert worden. Obwohl Dunant von einer ausgesprochen breiten Auswahl an Unterstützern vorgeschlagen worden war – darunter drei Professoren aus Brüssel und sieben Professoren aus Amsterdam, 92 Abgeordnete des schwedischen und 64 Abgeordnete des württembergischen Parlaments, zwei Minister der norwegischen Regierung sowie das Internationale Friedensbüro –, war er als Kandidat für den Preis nicht unumstritten. Man war geteilter Meinung über die Wirkung des Roten Kreuzes und der Genfer Konvention auf den Krieg: machten sie den Krieg nicht eher attraktiv und damit wahrscheinlicher, weil sie ihm einen Teil des mit Krieg verbundenen Leids und Schreckens nahmen? Rudolf Müller hatte sich in einem langen Brief an das Nobelkomitee für die Preisverleihung an Dunant ausgesprochen und dabei den Vorschlag unterbreitet, den Preis zwischen Frédéric Passy, der ursprünglich als alleiniger Preisträger vorgesehen war, und Dunant zu teilen. Da eine Verleihung des Preises an Dunant in späteren Jahren diskutiert wurde, verwies er dabei auch auf das fortgeschrittene Alter Dunants und dessen Gesundheitszustand.

Die gemeinsame Verleihung des Preises an Passy und Dunant erfolgte auch vor dem Hintergrund einiger Differenzen, die damals trotz vieler Gemeinsamkeiten zwischen der Friedensbewegung und der Rotkreuzbewegung bestanden. Bereits mit der Entscheidung zur Teilung des ersten Friedensnobelpreises zwischen Passy, einem Pazifisten traditioneller Prägung und dem bekanntesten Vertreter der damaligen Friedensbewegung, und dem Humanisten Dunant, schuf das Nobelkomitee damit zwei wesentliche Kategorien von Gründen für die Verleihung, denen sich viele der späteren Preisträger zuordnen lassen. Auf der einen Seite steht die Verleihung an Menschen und später auch an Organisationen, die sich der Friedensarbeit im direkten Sinne widmeten und damit dem Teil des Testament Nobels entsprachen, der den Preis vorsieht für denjenigen, „der am meisten oder am besten für … die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen (gewirkt hat)“. Andererseits wurde, in der Tradition der Preisverleihung an Dunant, der Preis in der Folgezeit auch vergeben für herausragende Leistungen im humanitären Bereich. Dies folgt einer Argumentation, die humanitäres Wirken letztendlich auch als friedensstiftend ansieht und sich dabei auf eine breite Auslegung desjenigen Teils des Testament Nobels beruft, der den Preis bestimmt für den, „der am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat“.

 

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